Egmont Mika

Wie viel ist ein halbes Versprechen?

Für einen Hungernden wäre ein halber Hamburger besser als nichts.

Auch wäre für die Finanzierung eines Projekts die halbe Summe zu haben besser als gar kein Geld. Und wenn du dir für deinen Artikel 1000 Leser erhofft hast und es dann doch nur 500 werden, dann ist das doch immerhin die Hälfte und damit weit besser als niemand.

Oft ist die Hälfte besser als nichts. Aber nicht immer. Wie steht es zum Beispiel mit halben Versprechen?

Falls du zum Beispiel

  • einen Babysitter zu kommen bittest
  • ein paar Freunde zum Mittagessen einlädst
  • für dein Projekt einen Partner suchst
  • heiraten möchtest

und es bei den anderen immer nur bei einem „Vielleicht“ bleibt, dann würde ich das eine halbe Zusage oder ein halbes Versprechen nennen.

In diesen Fällen wäre das tatsächlich schlechter als gar kein Versprechen.

Bei einem „Nein“ hättest du immerhin die Möglichkeit, noch jemand anderes zu fragen. Aber mit einem „Vielleicht“ sitzt du fest.

Und weit schlimmer kann es werden.

Wenn du zum Beispiel seit Jahren deinen Kindern von gemeinsamen Sommerferien am Meer vorgeschwärmt hast… Oder wenn ein Pärchen sich im Gespräch eine gemeinsame Zukunft mit Ehe und Kindern ausmalt und einer von ihnen nach Jahren immer noch bei einem „Vielleicht“ bleibt, dann endet das unter Umständen in einer Katastrophe.

Wie ließe sich das auf die Nachfolge Jesu beziehen? Auch er erwartet von uns auf seinen Ruf hin eine klares „Ja“ oder „Nein“, also kein „Vielleicht“. Und „so zu tun als ob“ wäre ihm wahrscheinlich noch schlimmer.

Es ist gut, wenn wir in wichtigen Fragen eine klare Entscheidung treffen und wissen, was wir wollen und was nicht. Gut ist das nicht nur für uns selbst. Welch ein Segen für all die anderen, die unsere Antwort brauchen!

Ich denke, ein halbes Versprechen kann nur für kurze Zeit berechtigt sein. Nach einer vereinbarten Frist sollte eine eindeutige Entscheidung gegeben werden.

Deshalb, wenn du kein ganzherziges Versprechen geben kannst, dann gib lieber gar keines.


Kommentare

Wilfried - Das ist wie eine Brücke. Brücken haben nur einen Sinn, wenn sie zu 100% den Fluss oder das Tal überspannen. Selbst eine 99%-ige Brücke ist ein Unsinn. Auch mein Vertrauen auf Gott ist nichts wert, wenn es nicht zu 100% besteht. „Dummerweise” kennt Gott genau die schwachen Prozente meines Vertrauens und schickt Gelegenheiten, sie zu stärken. Was mir gar nicht so gefällt.

Egmont - Danke, Wilfried. Gutes Beispiel.