Egmont Mika

Auf dem Wasser gehen

Niemals versprach Jesus seinen Jüngern ein bequemes, abgesichertes und vorhersehbares Leben.

Eher sollte es umgekehrt werden. So wie bei Petrus, als Jesus ihn bat, aus dem Boot zu steigen - und auf dem Wasser zu gehen.

Wie könnte so etwas bei dir aussehen?

Welchen Standard willst du setzen?

Als erstes wäre da die Entscheidung zu treffen, welchen Standard du für dich setzen willst. Welchen Standard würde Jesus in deiner Situation setzen?

Die rechte Wahl liegt nicht immer auf der Hand. Sie erfordert Überlegung und Einsicht und nicht selten auch Mut und Entschiedenheit.

Da geht es nicht nur darum, den leichtesten oder bequemsten Weg zu wählen oder einfach das, was sich von selbst anbietet. Oder was am vertrautesten erscheint oder die meiste Anerkennung bringt.

Auch auf christliche Traditionen ist nicht unbedingt Verlass, noch weniger auf aktuelle Trends.

Das Rechte tun

Letztlich geht es darum, dass du das Rechte tust, nicht das Einfachste oder Populärste oder Schnellste.

Da kann es notwendig werden, dass du im Glauben handelst, das heißt gegen alle Erwartungen und bisherige Erfahrungen. Das bedeutet auch, Risiken einzugehen.

Mittelmäßigkeit und Halbherzigkeit sind nie gut genug und können von vorneherein ausgeklammert werden. Da wäre es besser, gar nicht erst anzufangen. Und auf die falsche Sicherheit, die dadurch entsteht, dass alle anderen es auch nicht besser machen, kannst du nicht bauen.

Da gilt es, dass du deiner innersten Überzeugung folgst und dein reines Gewissen bewahrst. Und jeder Korruption, selbst den leisesten Verlockungen, widerstehst. Sowie auch allen anderen Formen falschen Strebens nach Bestätigung, Einfluss und Gewinn.

Das Unmögliche möglich machen

Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem dir das Unmögliche möglich wird, das Auf-dem-Wasser-gehen.

Da gelingt es zum Beispiel, Frieden zu stiften, wo vorher Feindschaft herrschte. Da wird mitten in der Verzweiflung Hoffnung geweckt. Und wo Lüge und Verrat zur Regel gehörten, wird Vertrauen geschenkt und aufgebaut.

Ja, selbst das Schwerste wird möglich: Negative Gesinnung, verhärtetes Prestigedenken, Verachtung, Bitterkeit und Hass werden in ihr Gegenteil verkehrt. Menschen fangen an, einander zu dienen, anstatt zu beherrschen und auf ihren eigenen Vorteil zu sehen.

Auch sie können so wie du aus dem Boot steigen und anfangen, auf dem Wasser zu gehen.

Auf Menschen setzen

Um das zu erleben, musst du dich auf Menschen einlassen, musst selbst Glaube, Hoffnung und Liebe für sie haben und immer wieder Vertrauensvorschuss geben. Verwundbar werden.

Nicht nur gegenüber Freunden, Bekannten und Verwandten, sondern auch und ganz besonders den anderen: den Armen und Hilflosen, den Auf-die-Seite-Geschobenen, Geringgeschätzten, Verachteten, Minderbemittelten, Ausgenutzten, Obdachlosen, Abhängigen, Einsamen… den Flüchtlingen. Den Kindern und Alten. Den alleinerziehenden Müttern.

Das bedeutet, den Enttäuschten und Entmutigten Glaube zu geben. Und Hoffnung den Hoffnungslosen. Und Liebe denen, die gerade jetzt keiner Liebe fähig sind. Das bedeutet, dass du Potential erkennst und da investierst, wo andere aufgegeben haben.

Da wird deine Geduld geprüft. Auch deine Ausdauer und deine Entschlossenheit. Und ganz besonders deine Bereitschaft zu Vergebung und Güte, selbst wenn du hin und wieder auch Verrat, Verleumdung und Betrug erntest. Es wird auch bei dir kaum ohne Enttäuschungen abgehen.

Früher oder später wird jedoch gute Frucht sichtbar, und das nicht wenig.

Auf Jesus sehen

Fassen wir zusammen:

Auf-dem-Wasser-gehen zeigt einen Weg auf, der in vielem grundsätzlich anders ist, als was du bisher unter einem christlichen Leben verstanden haben magst. Und die Herausforderung kann eher noch größer sein, als du jetzt denkst.

Andererseits lässt sie uns auch weit mehr von der Herrlichkeit Gottes erfahren, als wir uns jetzt erträumen können.

Beunruhigt dich das? Oder kommst du dir jetzt unfähig vor? Oder fühlst dich gar verurteilt?

Dann sieh nicht auf die Umstände. Sieh nicht auf das, was du nicht kannst. Gräme dich nicht über Versäumtes und vergleiche dich nicht mit anderen.

Hör auf, dich zu verteidigen und zu entschuldigen und zu erklären.

Sieh nicht auf dich selbst.

Sieh auf Jesus.

Auf dem Wasser gehen

Willst du in Gottes Handeln einbezogen werden? Dann steig aus deinem Boot. Steig ins tiefe Wasser des Handeln Gottes und lass dich von seinem Strom tragen.

Fang heute an, wozu er dich mahnt.

Hab keine Angst.

Vertraue.

Auf-dem-Wasser-gehen wird nur denen gegeben, die aus dem Boot steigen.